Beiträge von Henryk M. Broder
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24.07.2008 08:41
Mullahs trainieren für Olympia
Mindestens acht Frauen und ein Mann sind zum Tod durch Steinigung verurteilt worden. Das Urteil könne jederzeit exekutiert werden, teilten die Anwälte der Inhaftierten den Medien am Sonntag mit. http://diestandard.at/?url=/?id=1216325451067
Claus Peymann, der mit seinem Theater vor kurzem Teheran besucht und dort Brechts “Mutter Courage” gespielt hat, soll vorgeschlagen haben, die Todesurteile umzuwandeln: In ein Dauerabo für das Berliner Ensemble.
24.07.2008 07:07
Ahmadinejads willige Helfer
Wenn Sie zu Ihrem Nachbarn sagen: “Ich bringe dich um!”, dann wird er das möglicherweise als Bedrohung empfinden. Wenn Sie aber zu ihm sagen “Du bist bald tot, du Drecksau!”, dann wird er das wahrscheinlich als eine zärtliche Zuwendung empfinden. Vorausgesetzt, er hat nicht alle Tassen im Schrank. Sie dagegen können darauf verweisen, dass sie ihm nicht gedroht, sondern nur etwas vorausgesagt haben, das bald passieren wird, weil der Nachbar es so gewollt hat.
Das ist so etwa die logische Substanz einer Debatte, die von ein paar deutschen Ahmadeinejad-Groupies, Nationalbolschewiken, progressiven Junganzis und lobotomierten “Experten” über die Frage vom Zaun gebrochen wurde, was Ahmadinejad unter der Parole “A World without Zionism” versteht. Am Rande geht es auch darum, wie man metaphorische Floskeln richtig übersetzt: wörtlich oder sinnadäquat. Und so ist die Mär in die Welt gekommen, Ahmadinejad habe Israel nie mit Vernichtung gedroht, er habe nie gesagt, Israel …
22.07.2008 21:50
Sahra ernennt Hugo und Che zu Humanisten
Eine Anfrage zum Antisemitismus in Venezuela und zum freundschaftlichen Verhältnis des vonezolanischen Präsidenten zum Präsidenten des Iran beantwortete die Europa-Abgeordnete Sahra Wagenknecht wie folgt:
= Was den angeblichen Antisemitismus von Hugo Chávez angeht, möchte ich darauf hinweisen, dass die Leitung der Konföderation der jüdischen Vereinigungen Venezuelas selbst, der Confederación de Asociaciones Israelitas de Venezuela (CAIV), bereits Januar 2006 die Antisemitismus-Vorwürfe gegen Chávez vehement zurückgewiesen hat. Man sollte also nicht auch noch den Gegnern der venezolanischen Regierung mit abstrusen Anschuldigungen eine Steilvorlage liefern.
Da ich einige Male Venezuela besichtigen durfte, konnte ich mir selbst ein Bild von der Lage in diesem Land machen. Die im Beitrag von http://www.lisaswelt.net beschriebenen Bilder sind in vielerlei Hinsicht nicht zutreffend. Mal davon abgesehen, dass der Artikel auf http://www.lizaswelt.net mehrere grobe inhaltliche Fehler enthält, fällt darüber hinaus noch der sehr abfällige Ton gegen bekannte Linke und Humanisten wie Hugo Chávez …
22.07.2008 10:04
Hodentöter will es wissen
Jürgen T. muss die Kohle ausgegangen sein. Statt einer großformatigen Anzeige in der NYT und der FAZ schaltet er jetzt einen kleinlauten Offenen Brief in der Berliner Zeitung. http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/0719/meinung/0052/index.html
22.07.2008 09:15
Endlich! Trier wird Weltstadt
Kaum ist eine junge Frau, die von ihrem Bruder beinah zu Tode geprügelt wurde, mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert worden, eilt schon ein deutscher Experte für abweichendes Verhalten herbei und zeigt sich “überrascht, dass es einen versuchten Ehrenmord in Trier gegeben hat”. Überall in der Welt: ja. in Trier: nein. Denn in Trier seien “hier lebenden Ausländer… gut integriert”. Außerdem: “Ehrenmorde seien nicht typisch für den Islam. Die Religion verbiete Gewalt. Es gebe auch keinen durch Schläge geprägten orientalischen Erziehungsstil.” Der Mann weiss, wovon er redet, er kennt sich mit dem Islam aus und berät “seit Jahren die türkische Regierung in Menschensrechtsfragen”. Entsprechend sehen die Menschenrechte in der Türkei aus.
Ein 21-jähriger Deutscher irakischer Herkunft hat am Dienstagmittag in Trier seiner 17-jährigen Schwester schwerste Verletzungen zugefügt. Er hat mit einem Pflasterstein auf sie eingeschlagen und sie am Boden liegend weiter misshandelt. Dabei erlitt die 17-Jährige schwere Schädel- …
22.07.2008 07:54
Ein Ständchen für Israel
Seit ein paar deutsche Zauberlehrlinge mit Hilfe der Iran-Expertin Katajun Amirpur überzeugend nachgewiesen haben, dass der iranische Präsident dem Staat Israel nie mit Vernichtung gedroht, sodern nur einen demokratischen Regimewechsel in Palästina gefordert hat, tauchen immer mehr Belege für die Israel-Begeisterung der mit Teheran verbündeten Gruppen auf. Dazu gehört auch das folgende Hisbollah-Video, das zu Israels 60. Geburtstag veröffentlicht wurde. Lassen Sie sich nicht täuschen: “Al-mawt li Israil” heißt zwar wörtlich “Tod für Israel”, weil aber die arabische Sprache ebenso blumig und metaphernreich ist wie Farsi, muss “Al-mawt li Israil” entsprechend verstanden werden: “Tod den Feinden Israels!” Oder so ähnlich. Alles übrige demnächst bei Frau Amirpur im Feuilleton der SZ.
http://www.youtube.com/watch?v=t92v5cIp-mw&feature=related
22.07.2008 07:18
Liza: Uri in der Unterwelt
Vielleicht muss man Nachsicht mit Uri Avnery üben, schließlich ist er mit seinen fast 85 Jahren nicht mehr der Allerjüngste. Andererseits ist Altersstarrsinn wirklich unangenehm, und deshalb verdient es der „Darling der deutschen Israelkritikerszene“ (Claudio Casula) auch nicht, einfach in Ruhe gelassen zu werden. „Verschiedene Planeten“ hat er seinen unlängst auf seiner Website veröffentlichten Beitrag zum „Gefangenenaustausch“ zwischen Israel und der Hizbollah getauft, und nach dessen Lektüre drängt sich die Frage auf, welchen Himmelskörper Avnery (Foto) eigentlich bewohnt. Die Erde kann es jedenfalls nicht sein. Am wahrscheinlichsten ist, dass er mit seinem Raumschiff Unterpreis gerade einen Billigflug hinter den Mond unternommen hat.
Dort verbrachte er am vergangenen Mittwoch „den ganzen Tag“ damit, „ständig zwischen israelischen Fernsehkanälen und Al-Jazeera zu schalten“. Und das sei „eine unheimliche Erfahrung“ gewesen: „Im Bruchteil einer Sekunde konnte ich zwischen zwei Welten wechseln, aber alle Kanäle berichteten genau über dasselbe Ereignis.“ In dessen Zentrum …
21.07.2008 15:23
Plötzensee zum Nulltarif
Oben rechts stand „Staatsanwaltschaft Leipzig“, darunter „Ladung zum Antritt der Erzwingungshaft“. Das sah viel versprechend aus, also las ich weiter. „Sehr geehrter Herr Broder, das Stadt Leipzig Ordnungsamt hat Ihnen mit Bußgeldbescheid vom 6.10.2006 – Aktenzeichen XYZ – eine Geldbuße in Höhe von 0,00 Euro auferlegt, die Sie bisher nicht bezahlt haben. Das Amtsgericht Leipzig hat daher mit Beschluss vom 2.5.2008 – Aktenzeichen UPS – Erzwingungshaft von 3 Tagen angeordnet. Sie werden aufgefordert, die Haft bis spätestens 28.7.2008 in der Justizvollzugsanstalt Plötzensee… anzutreten.“ Es folgten „Allgemeine Hinweise“, was man alles in die Haft mitbringen darf (Brillen, einige Bücher zur Fortbildung oder Freizeitbeschäftigung) und was nicht (Alkohol, Waffen, Fahrräder).
http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/;art141,2576741

