Beiträge von Dr. Oliver Marc Hartwich
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24.07.2008 10:58
Von Australien lernen, heißt Siegen lernen
Warum die deutschen Sozialdemokraten etwas von ihren australischen Genossen lernen können, erkläre ich heute in Capital:
Mehr Schröder und Rudd, weniger Lafontaine und Dunwoody
Von Karl Marx wussten die Sozialisten, dass sich Geschichte zweimal ereignet: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce. Heutige Sozialdemokraten können hingegen erleben, wie sich die Geschichte gleich mehrfach und an unterschiedlichen Orten wiederholt.
Wie viel davon Tragödie und wie viel Farce ist, steht auf einem anderen Blatt. Um die Sozialdemokratie ist es nämlich nicht nur in Deutschland, sondern auch in Großbritannien nicht zum Besten bestellt. Dabei sah es noch vor zehn Jahren nach dem Beginn eines neuen sozialdemokratischen Zeitalters aus. Doch seitdem hat man zumindest in Europa vergessen, was die Mitte-Links-Parteien damals so stark gemacht hat. ...
23.07.2008 21:39
Gleiches Recht für alle?
Veröffentlicht in Jüdische Allgemeine, 24. Juli 2008, S. 6:
Gleiches Recht für alle?
Großbritannien: Juden können zivilrechtliche Fragen untereinander regeln – dies könnte künftig auch ein Modell für Muslime sein
Wenn es um die Rechtsordnung geht, dann war das Vereinigte Königreich niemals einheitlich. Zwar überwiegt der Einfluss des Common Law, jenes seit der normannischen Eroberung entwickelten Rechts. Aber Schottland zum Beispiel hatte schon immer ein an den europäischen Kontinent angelehntes Rechtssystem – von den juristischen Besonderheiten der Kanalinseln ganz zu schweigen. Ein einheitliches Recht für alle gab es damit streng genommen in Großbritannien noch nie.
Die Zersplitterung des britischen Rechts dürfte sich fortsetzen, wenn auch diesmal nicht entlang geographischer Grenzen, sondern nach Religionszugehörigkeit. Seit der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, Anfang des Jahres wenig geschickt bemerkte, dass die Integration islamischen Rechts …
11.07.2008 17:03
Vier weitere Gründe …
11.07.2008 14:29
Reine Formsache
Man muss ja Vorbilder haben im Leben, also nehme ich mir ein gutes Beispiel an Hannes Stein, der nun auch schon seit geraumer Zeit seine Auswanderung in Tagebuchform protokolliert. Beim Kollegen Stein fing bekanntlich alles mit einer Green Card an, ehe er sich auf den Weg nach Amerika machte. Bei mir lief das alles etwas anders, denn ich hatte bei dem Entschluss zur Auswanderung zwar bereits einen Job in Australien, aber noch kein Visum. Dafür allerdings eine australische Frau, was die Dinge wiederum etwas einfacher machen sollte. Dachte ich mir jedenfalls.
Mehrfach wurde mir versichert, es handele sich bei der Visumserteilung für Ehepartner um eine reine Formsache. Ich hätte allerdings genauer hinhören sollen. Die Betonung lag nämlich auf der ersten Silbe. Es ist in der Tat eine Form-Sache, genauer: eine Formularsache. Neben einem Hauptantragsformular von …
08.07.2008 11:26
Sydney calling - Bye bye, London
In den letzten Wochen war von mir hier nicht mehr viel zu lesen, was den einfachen Grund hatte, dass ich zum Schreiben den Kopf nicht frei hatte. Dafür sind Jobverhandlungen einfach zu nervenaufreibend ... besonders wenn man sie über 17.000 Kilometer führt.
Aber seit heute Morgen habe ich Klarheit, dass ich Anfang Oktober nach Sydney ziehen werde. Für zunächst drei Jahre werde ich bei einem australischen Think Tank den Bereich der Wirtschaftspolitik betreuen.
4,5 Jahre in London waren eine spannende Zeit, aber so richtig heimisch bin ich dann hier doch nicht geworden. Und da Sydney ohnehin spätestens seit meinen Studienaufenthalten in den Jahren 2001 und 2002 meine Traumstadt ist, war das Angebot, nach Australien zu gehen, einfach zu verlockend. Ich freue mich jedenfalls auf einen Tapetenwechsel, 2.000 Stunden Sonnenschein im Jahr und einen guten australischen Rotwein mit Blick auf Oper und Harbour Bridge. Okay, genug geschwärmt …
20.06.2008 10:03
In der Tube mit Wolf Biermann
Wenn ich morgens mit der Londoner U-Bahn zur Arbeit fahre, höre ich dabei in der Regel die Podcasts des Deutschlandradio. Selten war das so unterhaltsam wie heute.
Statt der üblichen Sprechblasenfabrikanten gab es ein längeres Interview mit Wolf Biermann, der sich wie immer nicht gescheut hat, genau das zu sagen, was er unter anderem zu Gesine Schwan, Horst Köhler und der “Linken” denkt - in einer erfrischenden Sprache tat er das ohnehin. So macht U-Bahn-Fahren Spaß - auch wenn sich die Mitreisenden wahrscheinlich über mein schwer zu erklärendes Grinsen gewundert haben dürften.
Den Podcast des Interviews gibt es hier.
16.06.2008 15:15
Zapp down under
Kollege Röhl hat natürlich Recht: “Medienjournalismus” nach ARD-Art kann schon ziemlich nervtötend sein. Dass es auch unterhaltsamer geht, das zeigt die Sendung MediaWatch der australischen ABC. Dort wurden die Zuschauer gerade darüber aufgeklärt, dass Portugal keine Stadt in Spanien ist: Skript und Video zur Sendung.
13.06.2008 23:02
Raumschiff Westminster
In der alten Bundesrepublik gab es den Ausdruck vom „Raumschiff Bonn“. Völlig losgelöst von der restlichen Erde spielte sich die bundesrepublikanische Politik in jenem kleinen, beschaulichen Städtchen am Rhein ab. Abgeordnete, Minister und Hauptstadtjournalisten lebten in intimer Symbiose miteinander und verloren dabei aber allzu oft das Gespür dafür, dass es auch noch eine Welt jenseits des Bundesdorfes gab.
Mir fiel das Bild vom abgehobenen Raumschiff in den letzten Tagen wieder ein. Es beschreibt nämlich ziemlich gut, wie viel oder besser wie wenig Bodenhaftung Politik oft hat. Auch in Großbritannien lebt die Politikkaste in ihrer eigenen Welt, und wo es in der BRD ein Bundesdorf gab, heißt dies im UK schlicht „The Westminster Village“. Hier wird Politik gespielt, deren Verästelungen außerhalb von London SW1 kaum nachzuvollziehen sind.
Seit Mittwochabend lief die Maschinerie des Raumschiffs Westminster wieder einmal auf vollen Touren. Die Regierung hatte ihr neues Anti-Terror-Gesetz dem …

