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21.07.2008 07:33
Wer hat Angst vor der Bundeswehr?
Das Verhältnis einer Gesellschaft zu ihrer Armee ist nicht zuletzt ein Indiz für den Zustand dieser Gesellschaft. Es sagt etwas über die Wehrhaftigkeit aus, über die Bereitschaft, sich und die eigenen Werte zu verteidigen.
Dass es in Deutschland damit nicht gut steht, ist nicht neu. Und es ist auch nicht neu, womit das ewig gestörte Verhältnis zwischen Bundeswehr und Öffentlichkeit begründet wird, nämlich mit dem Dritten Reich, das uns gelegentlich schon beim Frühstücken assistiert.
Nun ist die Bundeswehr nicht die Waffen-SS, und sie ist auch nicht die Wehrmacht. Sie ist vielmehr die verfassungsmäßige und parlamentarisch kontrollierte Verteidigungsarmee der Bundesrepublik Deutschland. Dass man das im Jahr 2008 immer noch erklären muss, sagt en passant etwas über den mentalen Zustand so mancher Leute in unserem Land aus. Da es sich ideologisch vom Nachlass des Dritten Reiches ganz gut leben lässt, möchte diese Art Gegner offenbar die Tausendjährigkeit des …
20.07.2008 09:26
Raumpatrouille Obama
Jeder, der die Vereinigten Staaten einigermaßen kennt, weiß, dass es sich bei diesem Land um einen Planeten handelt, der dem Rest der Welt immer wieder den Eindruck zu verschaffen weiß, dass dieser Rest aus Nachbarplaneten besteht, und mehr noch, aus Satelliten. Zum Satelliten wird man aber nicht nur gemacht, zum Satelliten macht man sich auch selbst.
Egal, worum es geht, ums Rauchverbot oder um den ersten schwarzen Präsidentschaftskandidaten, die Vereinigten Staaten sind dem Rest der Welt stets um einen Schritt voraus, selbst dann, wenn sie um drei Schritte hinterher hinken sollten.
So kommt es, dass der Bewohner des amerikanischen Planeten, obwohl ihm der Rest der Welt ziemlich uninteressant erscheint, trotzdem dazu neigt, in diesem Rest zu intervenieren. Der Durchschnittsamerikaner sieht sich zwar kaum Auslandsnachrichten an, aber die amerikanische Politik beschäftigt sich mit dem Weltrest, als sei sie in der Rolle des Paten. Während die Europäer ihre …
19.07.2008 09:19
Bayern am Meer
Hubertus Heil hatte wohl seinen Metapherntag. Der CSU, so der SPD-Generalsekretär, fehle es an Sex-Appeal. Heil wird es wissen. Jedenfalls meinte er, seit Lotse Stoiber von Bord gegangen sei, würde das CSU-Schiff von zwei traurigen Leichtmatrosen, Beckstein und Huber, gelenkt.
Wenn Politiker vergleichen, ist meistens das Schiffsbild nicht weit. Auch und gerade, wenn sie, wie Heil, auf dem Trockenen sitzen. Nämlich da, wo die ganze Nation sitzt und trotzdem Schiffe sieht. Man ist versucht, anzunehmen, Heil habe eine neue Gutenachtlektüre entdeckt, Hans Blumenberg vielleicht, Schiffbruch mit Zuschauer. Das aber träfe, immer noch bildlich gesprochen, mehr auf seine eigene Partei zu als auf die bayerische Kogge.
Wenn Heil den Sturm ankündigt, in den das christlich-soziale Schiff angeblich geraten werde und die Folgen auch schon ausmalt, die insgesamt darin bestehen sollen, dass Beckstein und Huber riskieren, die absolute Mehrheit zu verlieren, so muss man sagen, die Sorgen dieser …
17.07.2008 06:51
Was machen eigentlich die Osteuropäer? Take 4: Vom Spitzel lernen
Die näheren Umstände erfahren Sie hier:
14.07.2008 13:26
Der Schriftsteller als Berufsankläger
Boudjedra ist wieder da. Er ist gekommen, um uns die Leviten zu lesen. Uns Europäern. Oder ganz einfach dem Westen, der bekanntlich an allem schuld ist. So erfahren wir wieder einmal, diesmal aus der NZZ, dass es , wo es zur Gewalt kommt, nicht wegen des Islam ist oder wegen des Islamismus, wie der höfliche Europäer zu betonen pflegt, sondern wegen der Ungerechtigkeit. Als sei moralisches Verhalten ein Ausdruck von Geldzählen oder sonstigem Feilschen. Als würde Armut zwangsläufig die Sitten zur Disposition stellen.
Der algerische Schriftsteller analysiert messerscharf: „Die schwärende Wunde aber, aus der sich der Fanatismus junger Islamisten vor allem nährt, ist die Unterdrückung der Palästinenser durch Israel.“ Irgendwie kommt uns das bekannt vor. Und das nicht von ungefähr. Rachid Boudjedra ist in der Sache unermüdlich unterwegs. Er ist ein wahrer Champion der Anklage des Westens.
1988, vor ziemlich genau 20 Jahren, gab es in …
09.07.2008 19:37
Rechtsstaat und Chinageschäft
Monat für Monat kann man im deutschen Fernsehen Wirtschaftsgrößen beobachten, die ihre Verachtung für die Demokratie, den Rechtsstaat und die Menschenrechte wortreich zum Ausdruck bringen. So, als wären all die genannten Begriffe nichts weiter als Spielbälle für die Verkennenden des wahren Lebens. Sie, die Bosse, werden nicht müde, zu versichern, dass sie Geschäfte machen und dass diese politisch wertfrei seien.
Man kann natürlich auch mit Gangstern Geschäfte machen, aber es werden stets Geschäfte zu den Bedingungen der Gangster sein. Und damit wären wir auch schon beim jüngsten Beispiel. China, der Lieblingsstandort ganzer deutscher Industriezweige, zeigt sein wahres Gesicht. Die Diktatur richtet die Olympischen Spiele nach den Regeln der Diktatur aus.
Die Ausrichtung von Großereignissen ist für eine Diktatur stets eine Gelegenheit zur Imageverbesserung. Diese wird generalstabsmäßig organisiert. Das war immer schon so. Zumindest aber seit 1936 und den Spielen von Berlin. Dass Adolf Hitler die Regie …
07.07.2008 06:50
Neun Kommentare zum Wochenanfang
1. Warum hat es Natascha Kampusch in der deutschen Öffentlichkeit leichter als Ingrid Betancourt?
2. Sonntags versammeln sich die lustigen Witwen grüppchenweise am Berliner Tauentzien, und die Reiseleiterinnen, die nicht müde werden, auf die gegenüberliegende Straßenseite zu zeigen, rufen ihnen angesichts des KaDeWe munter zu: Das ist der Hammer!
3. Dass Alice Schwarzer nur in Deutschland denkbar ist, wissen wir längst, aber dass ihre Zeitschrift „Emma“ gelesen wird, können wir uns trotzdem immer noch nicht vorstellen. Der wahre Unterschied zwischen Alice Schwarzer und Karl Kraus aber, so fügen wir hinzu, besteht im Unterschied zwischen „Emma“ und der „Fackel“. Nicht die Leserschaft macht den Mythos aus, sondern der Stil.
4. Wenn in Deutschland heute ein Buch verboten wird, so geschieht dies nicht durch eine Zensurmaßnahme, sondern per Gerichtsbeschluss. Es wird auch nicht die Herstellung eines Buches verboten, sondern seine Auslieferung an den Buchhandel. Damit aber …
05.07.2008 09:38
Der enteignete Springer
Nicht was geschrieben wird, ist entscheidend, sondern wie getitelt wird. Das wissen heute alle, und sie wenden dieses Wissen auch täglich an. Auch wir, hier. Die Schlagzeile leitet den Tag ein, wie früher die Turmuhr.
Gut geschlafen? Macht nichts. Wir werden Ihnen die Laune noch rechtzeitig verderben. So dass Sie am Ende denken, Glück gehabt, wenigstens nochmals gut geschlafen. Der Tagesablauf ist nichts anderes als eine Einübung in die vermeintliche Dramatik der Ereignisse.
Die Eskalation wird mit Worten und Wortschöpfungen betrieben. Von „Datenspeicherwahn“ bis „Konsumverzicht“ und „Preisschocktalk.“ Früher wurde nach Begriffen gesucht, die neue Phänomene erfassbar machen sollten, heute treiben die Verbalkonstrukte die Ereignisse an. Das ist die Kehrseite der Erlebnisgesellschaft.
Wo nichts mehr einen Sinn ergibt, bekommt alles eine falsche Bedeutung. Die Story untergräbt nicht das Thema, wie man früher dachte, sie ersetzt es. Das ist das offene Geheimnis des Boulevards, das jeder …

